24.12.2025

»Wir müssen erst die Menschen befreien«

Wir müssen erst einmal die Menschen befreien, um die Tiere können wir uns später kümmern!

Ginge es bei diesem Einwand um eine politisch-strategische Diskussion darüber, worauf Kommunisten das Hauptaugenmerk legen müssen, dann ließe sich mit gutem Grund argumentieren, dass die Eroberung der politischen Macht zur Veränderung der Eigentums- und Produktionsverhältnisse die Voraussetzung dafür ist, einen Prozess der Befreiung überhaupt erst möglich zu machen. Auch wir als Bündnis Marxismus und Tierbefreiung vertreten schließlich, dass der Eingriff in die Eigentums- und Produktionsverhältnisse die zentrale Voraussetzung auch für die Befreiung der Tiere darstellt.

Eine Einteilung in verschiedene Stufen oder Etappen der Befreiung halten wir jedoch für prinzipiell falsch. Soll Befreiung realisiert werden, dann muss auch die Befreiung der Tiere von Anfang an Teil jener politischen Agenda sein, an der sich die revolutionäre Veränderung der Gesellschaft orientieren soll. Andernfalls läuft ein Prozess sozialistischer Befreiung Gefahr, die Ausbeutung und Unterdrückung der Tiere schlicht fortzuführen, ihre Befreiung also unmöglich zu machen und somit unvollständig zu bleiben. Tiere müssen also schon jetzt zu jenen gehören, die Kommunisten befreien wollen. Dass sie dabei nicht Subjekt, sondern Objekt der Befreiung sein können, ändert daran gar nichts.

Auch darüber hinaus gibt es für Kommunisten handfeste Gründe, sich bereits jetzt mit den Belangen der Tiere zu befassen: Eine Gesellschaft, die zwar einen Prozess der Befreiung der Menschen beginnt, zugleich aber etwa die industrialisierte Ausbeutung der Tiere fortführt, wäre auf Dauer gar nicht möglich. Jede Gesellschaftsformation, die an der Situation der Tiere nichts ändert, würde weiterhin auf einem objektiv irrationalen Verbrauch von Ressourcen beruhen, der nicht einmal im Hinblick auf die Fortexistenz allein der menschlichen Gattung vertretbar ist. Selbst wer also „nur“ die Menschen befreien will, kommt nicht darum herum, die Situation der Tiere zu verändern, soll eine sozialistische Gesellschaft auf Dauer überhaupt möglich sein und bestehen können.

Zugleich müssen Kommunisten, wie wir an anderer Stelle argumentiert haben, die Tiere auch um ihrer selbst willen befreien.