2.7.2025

»Naturbeherrschung wird es auch in einer befreiten Gesellschaft geben«

Es stimmt, dass die Natur auch in einer sozialistischen beziehungsweise kommunistischen Gesellschaftsformation »beherrscht« werden muss. Ohne Aneignung und Umformung der Natur zur Bedürfnisbefriedigung ist die soziale Reproduktion unmöglich. Allerdings unterscheidet sich die kommunistische Organisation des Stoffwechsels mit der Natur substanziell von der kapitalistischen. Im Kommunismus werden die Mensch-Natur-Beziehungen zum einen entlang der Bedürfnisse und unter Berücksichtigung der inneren Natur der Menschen gestaltet. Zum anderen werden auch die Bedürfnisse anderer Lebewesen, die zu Glück und Leid fähig sind, und die Erfordernisse der Stoff- und Energiekreisläufe der Natur einbezogen.

Marx nennt zunächst die Bedingung, dass »der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen« (MEW 25: 828) müssen. Die rationelle Regelung besteht unter anderem in der Einsicht, wie Engels schreibt, »daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht – sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, (…) ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können« (MEW 20: 453). Marx konstatiert schließlich, dass im Kommunismus niemand Eigentümer der Erde sein wird, nicht einmal »eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen«. Vielmehr seien die Menschen nur die »Nutznießer« der Natur und hätten sie »den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen« (MEW 25: 784).

Mit anderen Worten, Marx und Engels skizzieren eine Form der Naturbeherrschung, die nicht nur die kollektive Verwaltung der Natur vorsieht. Die Menschen müssen darüber hinaus ihre Kenntnisse und Produktivkräfte im Austausch mit der Natur so anwenden, dass die Natur »verbessert« wird. Das heißt, das Gedeihen der Natur ist – wennglleich nicht das einzige – ein Ziel in der Gestaltung des gesellschaftlichen Naturverhältnisses. Dies ist nur möglich, wenn die Menschen dabei nicht ausschließlich ihre eigenen Zwecke verfolgen und setzen. Sie müssten auch die relative Eigenständigkeit der Natur, ihre individuellen und artspezifischen Qualitäten, wie sie zahlreiche Tiere besitzen, und Reproduktionsprozesse berücksichtigen.