Tiere, Naturstoffe und -prozesse sowie Pflanzen sind für Marx Teil der Natur und somit Produktionsmittel des Menschen, die er zum Zwecke seiner Produktion und Reproduktion beherrschen muss.
Die Behauptung trifft nur insofern zu, als dass die Natur das Arsenal der Stoffe und Prozesse bildet, aus dem sich die Menschen bedienen müssen, um Gebrauchswerte zu ihrer Bedürfnisbefriedigung herstellen zu können. In diesem Sinne sind der Stoffwechsel mit der Natur und die Formveränderung von Naturstoffen und -prozessen eine »ewige Naturbedingung menschlichen Lebens« (MEW 23: 198) und die Beherrschung der Natur, das heißt die Unterwerfung und Veränderung der Natur zu menschlichen Zwecken, ist entsprechend eine Notwendigkeit.
Damit ist aber keine Machtausübung im Sinne eines Übergehens der Reproduktionsfähigkeit der Natur oder der Ignoranz gegenüber dem Leiden von Tieren gemeint. Vielmehr geht es darum, dass Naturprozesse und -stoffe in Kenntnis ihrer Funktionsweise zweckgerichtet verändert werden. Derart verstanden ist sowohl der Austausch mit der Natur als auch die Naturbeherrschung an sich weder gut noch schlecht.
Ein solches Verständnis von Naturbeherrschung reicht aber nicht aus, um das gesellschaftliche Naturverhältnis zu begreifen. Denn es sind immer spezifische soziale und historische Produktions- und Verteilungsverhältnisse, unter denen die Natur angeeignet wird, unter denen die Produktivkräfte zu ihrer Umwandlung entwickelt werden und von denen der Zweck der Aneignung bestimmt wird. Dementsprechend muss man bei der Beurteilung der Naturbeherrschung immer diese Verhältnisse einbeziehen. Sie entscheiden darüber, ob der Stoffwechsel nachhaltig ist oder nicht.
In der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaftsformation wird im Produktionsprozess des Kapitals Natur angeeignet und beherrscht. Allerdings nicht demokratisch und nachhaltig, sondern von der Klasse der Kapitalisten zugunsten ihrer Profitproduktion – in stetig wachsendem Maße und ohne Rücksicht auf die Qualitäten und Reproduktionsprozesse der Natur sowie die Folgen der ökonomischen Tätigkeiten für die Natur.
Diese kapitalistische Form, das gesellschaftliche Verhältnis zur Natur zu gestalten, hat negative Konsequenzen für die Menschen, die Natur und die Tiere. Konkret sieht man das unter anderem bei der Zerstörung der Regenwälder für den Anbau von Futtermitteln oder für die Tieraufzucht. Durch die Abholzung der Regenwälder gehen Senken für Treibhausgase und auch Biodiversitätshotspots verloren. Die Fleischindustrie ist das beste Beispiel dafür, wie in der kapitalistischen Produktion besondere Qualitäten in der Natur, nämlich die individuellen und artspezifischen Eigenschaften der Tiere – etwa ihre Leidensfähigkeit oder ihr Eigeninteresse am Leben – nicht berücksichtigt werden.
Die Steigerung der Fähigkeiten, Natur umzugestalten, ist unter diesen Bedingungen gegenüber früheren Gesellschaftsformationen insofern ein Fortschritt, als dass alle Menschen der technischen Möglichkeiten nach versorgt werden können, ohne die Natur zerstören oder Tiere töten zu müssen. Aber gemessen an den Folgen und vom Standpunkt einer befreiten Gesellschaft ist die kapitalistische Naturbeherrschung ein Rückschritt, weil sie, wie Marx es metaphorisch ausdrückt, »Wüsten hinter sich zurückläßt« (MEW 32: 53).
